"Die Befreiung von Erzzauberin Zebeyana Kemsha" (Dunkelelfen vs. Imperium)

 

"Die Befreiung von Erzzauberin Zebeyana Kemsha" (Dunkelelfen vs. Imperium [Letztes Gefecht])


Schreckensfürst Ardulaz Kemsha wusste, dass er handeln musste. Die letzten Monate waren nicht nach seinen Vorstellungen verlaufen und er hatte viel weniger Sklaven gefangen und viel mehr Gegenwehr erfahren, als er es erwartet hatte. Zudem hatten sich seine beiden Töchter als deutlich unfähiger erwiesen, als er es angenommen hatte. Seine jüngere Tochter Zebeyana hatte sich zu allem Überfluss auch noch von den Menschen gefangen nehmen lassen und so sehr er auch der Meinung war, dass sie diese Schicksal letztlich verdient hatte, musste er jedoch aus Stolz und aus Gründen der Gesichtswahrung vor seinem Gefolge handeln. Eigentlich war die Gefangennahme durch die profanen und primitiven Menschen sogar ein viel zu mildes Schicksal für Zebeyanas Versagen. Ardulaz wusste jedoch, wie er sowohl sein Gesicht wahren konnte als auch die Khainiten in seiner Gefolgschaft für den Moment zufrieden stellen konnte. Diese hatten nämlich die Unzufriedenheit über den Mangel an gefangenen Sklaven am deutlichsten vernehmen lassen und waren zudem auch die mächtigste und unabhängigste Fraktion seines Gefolges. Ardulaz befahl der Todeshexe und Hohepriesterin des Khaine in seinem Gefolge, seine Tochter Zebeyana aus den Händen der affenartigen Menschen zu befreien und versprach ihr zugleich, dass sie die Erzzauberin dann behalten könne und mit ihr verfahren möge, wie es ihr und ihren Jüngern beliebe…

Großmeister Breithoff hatte die gefesselte und geknebelte Elfenfrau von seinen loyalen Rittern in sein Zelt inmitten des Feldlagers bringen lassen. Für den Moment musste Breithoff jedoch mit seinen Beratern und dem Meisterzauberer Melistius Kriegsrat halten. Letzterer hatte wiederholt seine Bedenken über die Gefangennahme der Elfenzauberin zum Ausdruck gebracht und damit gedroht Lektor Hassenstein mit Protestnote Bericht zu erstatten. Breithoff hatte all diese Einwände jedoch geflissentlich ignoriert bzw. abgeschmettert. Im Anschluss an den Kriegsrat würde er sich endlich seiner schweren Rüstung entledigen und sich voll und ganz seiner in seinem luxuriösen Zelt befindlichen Gefangenen widmen. Die Nacht war bereits angebrochen und so lauschte Breithoff unkonzentriert wie Kampfpriester Peter von Hertenstein einen seiner inbrünstigen Monologe hielt, während  der ambitionierte Hauptmann Kaspar von Silenen erfolglos versuchte diesen wiederholt zu unterbrechen…


 

Die Todeshexe führte ihre Khainiten im Dunkel der frühen Nacht unbemerkt in das Feldlager der Menschen. An der Spitze ihrer Hexenkriegerinnen schlich sie durch das Lager geradewegs auf das größte und nach menschlichen Maßstäben opulenteste Zelt zu, welches von den kundschaftenden Schatten, die das Lager bereits am Vortag unbemerkt infiltriert hatten, nur für elfische Augen sichtbar markiert worden war. Die Menschen rechneten nach ihrem letzten Sieg offenbar nicht mit einem so schnellen wiederholten Auftauchen der Dunkelelfen und sie waren noch derart in Siegesstimmung, dass die Wachen mehr die Bierkrüge in ihren Händen bewachten als das Lager um sie herum. Selbst die schwer gepanzerten Henker, die die letzte Schlacht überlebt hatten und auf Rache sannen, konnten den Hexenkriegerinnen tief in das Lager folgen, ohne dabei bemerkt zu werden. Die Todeshexe verteilte die letzten Schlucke ihres anregenden Gebräus unter ihren Jüngerinnen und zog, wie auch ihr Gefolge,  ihre gezackten Langdolche. Der Überfall musste schnell und effektiv durchgeführt und die Erzzauberin innerhalb weniger Minuten befreit werden, ansonsten würde der Alarm das komplette Lager der Menschen mobilisieren und ein entkommen wäre für die Dunkelelfen unmöglich…



Der Hexenjäger bewegte  sich geräuschlos um das Zelt, in das Großmeister Breithoff die düstere Elfenzauberin hatte bringen lassen. Erz-Lektor Hassenstein hatte den berüchtigten Hexenjäger persönlich zum Kriegslager von Melistius und Breithoff beordert, damit er nach Ketzerei jeder Art Ausschau halten könnte. Die Nähe zu dem verfluchten Sumpf weit im Süden und der möglicherweise korrumpierende Einfluss der heidnischen Elfen im Westen war Hassenstein durchaus bewusst gewesen, so dass er einen seiner effektivsten und loyalsten Hexenjäger geschickt hatte. Kaum war dieser angekommen, so hörte er auch bereits, dass Großmeister Breithoff zum Unbehagen von Meisterzauberer Melistius eine Elfenzauberin zu seiner persönlichen Gefangenen gemacht hatte. Womöglich hatte sie den einfältigen Rittersmann mit ihrer Magie umgarnt und beeinflusst, dachte der zielstrebige Hexenjäger und zückte seine beiden mit gesegneten Kugeln geladenen Pistolen, während er leisen Schrittes auf den Eingang des Zeltes zuging. Er würde die Elfenzauberin dem reinigenden Feuer eines Scheiterhaufens übergeben, aber zuvor würde er ihr zwei vom Großtheogonisten persönlich gesegnete Silberkugeln direkt in die bleiche Brust und ihr schwarzes Herz schießen. Doch noch bevor er an den Wachen vorbei in das Zelt schlüpfen konnte, sah der Hexenjäger wie sich plötzlich unnatürlich grazile und zudem halbnackte Gestalten in hoher Geschwindigkeit aus dem Dunkel auf das Zelt zu bewegten und wie jenseits des Fackelscheins kaum vernehmbar das Klimpern von langen Kettenhemden zu hören war. „Alarm!“, brüllte der Hexenjäger und zielte ohne zu zögern mit seinen Pistolen auf die blutverschmierte Anführerin der nahenden Eindringlinge, während er ihr lauthals hasserfüllte Anschuldigungen entgegenschleuderte…

 


Die Menschen hatten sie letztlich entdeckt, aber erst als sie wenige Meter von ihrem Ziel entfernt waren. Die Wachen vor dem Zelt ergriffen ihre Speere und formierten sich hintereinander, um den anstürmenden Hexenkriegerinnen eine geringe Angriffsfläche zu bieten, während eine einsame Gestalt im Schatten seine Schwarzpulverwaffen in kurzer Folge auf die in vorderster Front befindliche Todeshexe abfeuerte. Eine Handvoll junger, adlige Pistolenreiter, die sich in unmittelbarer Nähe zum Zelt befanden und scheinbar gerade zu einem Erkundungsritt hatten starten wollen, schwangen sich alarmiert auf ihre Pferde. Sie ritten vor den anstürmenden Elfen zunächst davon, machten dann jedoch kehrt und schossen einen der sich im Dunkel von der anderen Seite nähernden Elfenkundschafter über den Haufen…



Die Pistolenkugeln pfiffen an der bleichen Wange der Todeshexe vorbei, als sie und ihre Schwestern sich auf die todesmutigen Wachen vor dem Zelt stürzten. Von der linken Seite griffen zudem die Henker mit gezogenen Draichs an und noch bevor die Wachen der Menschen ihre Speere senken konnten, waren sie bereits von einer Vielzahl von Klingen durchbohrt. Die Hexenkriegerinnen sprangen sogleich über die verstümmelten Leichen der Speerträger hinweg in Richtung Zelteingang, während die Henker noch ihre langen Schwerter aus den Leibern der Getöteten zogen und sich neu formierten…

 


Der Hexenjäger lud im Laufen seine Pistolen nach und steckte sie zunächst zurück in den Halfter, während er durch das Zelt hastete und schließlich den regungslosen Leib der Elfenzauberin fand. Diesen warf er sich schmucklos über die Schulter und schnitt mit einem gezielten Schwung seines Degens eine Hintertür aus dem Zelt. Der Templer des Sigmar spürte die verfolgenden Hexenelfen im Nacken und sprang nebst seiner wertvollen Fracht den Hang hinter dem Zeltplatz hinab, nachdem er zuvor noch eine Fackel auf Breithoffs Bettvorleger geworfen hatte. In den Augenwinkeln sah er, wie die in dunklen Umhängen gehüllten Elfen weiter entfernt zwei der mutigen Pistolenreiter, die versuchten diese aufzuhalten, mit präzisen Schüssen ihrer lautlosen Repetier-Armbrusten aus dem Sattel schossen…

 


Der Alarm ertönte mittlerweile überall im Lager und Soldaten jedweden Couleurs hasteten zu ihren Waffen. Die Todeshexe wusste, dass sie den schlüpfrigen Hexenjäger erwischen musste, bevor das gesamte Kriegslager alarmiert wäre und die komplette Armee der Menschen über sie hereinbrechen würde. Für einen Moment konnte sie den Menschen sehen wie er im Schein des mittlerweile lichterloh brennenden Zeltes versuchte seitlich an den Angreifern vorbei zu schlüpfen. Auch er sah die hinter ihm hersetzenden Elfen und feuerte erneut seine Pistolen in Richtung Todeshexe ab, bevor er die Richtung erneut änderte und wieder in Richtung des anderen Endes des Lagers lief. An diesem Ende versuchten die Reiter der Menschen die Schatten nunmehr in einen Nahkampf zu verwickeln, doch zogen sie hierbei den Kürzeren und zwei wurden vom Pferd gerissen, bevor ein Schatten von einem der beinahe panisch wiehernden Streitrösser in den Staub getrampelt wurde. Die verbliebenen zwei Reiter suchten ihr Heil in der Flucht, wurden jedoch nach wenigen Metern von zielgenau abgefeuerten Bolzen im Rücken erwischt und taumelten sodann tödlich getroffen von ihren Reittieren. Zufrieden darüber beorderte die Todeshexe ihre Henker dem Hexenjäger den Weg zu ihrer Linken abzuschneiden, während sie und ihre Bräute des Khaine sich weiter von rechts näherten...




Der Hexenjäger wusste, dass sich die Schlinge immer weiter um ihn zuzog und er vor den agilen Elfen nicht davon laufen konnte. Vor allem nicht mit seiner sperrigen Fracht, auf die es das unvermittelt aufgetauchte Überfallkommando augenscheinlich abgesehen hatten. Er müsste die Eindringlinge nur lange genug davon abhalten ihn bzw. seine Fracht zu erwischen, denn irgendwann würde das gesamte Lager das Feuer sehen und in Alarmbereitschaft versetzt sein. Er sprang bereits schwer atmend über die unbesetzte Artilleriestellung hinter dem brennenden Zelt, in der Hoffnung der stetig werdenden Umkreisung der düsteren Angreifer entgehen zu können. Das letzte was der Hexenjäger schließlich sah, waren die plötzlich weiter entfernt befindlichen Elfenkundschafter in ihren dunklen Umhängen und zwei schwarze Bolzen, die auf ihn zuschossen…

 


Mit einem beiläufigen Tritt entledigte die Todeshexe sich des von Bolzen gespickten Körpers des ihre Beute noch immer umklammernden Hexenjägers. Überall um sich herum im Lager der Menschen hörte sie alarmiertes Geschrei und viele Abteilungen von Soldaten rannten auf ihre Position zu. Mit einem kalten, hasserfüllten Lächeln in ihrem blutverschmierten Gesicht und einem Wink ihrer langfingrigen Hand befahl sie zwei der breitschultrigen Henker die gefesselte Elfenzauberin zu ergreifen und gemeinsam mit ihr aus dem Lager schnellstmöglich zu verschwinden. Ihrem Blutdurst zum Trotz entschwanden auch die Todeshexe und mit ihr alle Khainiten aus dem nunmehr in Aufruhr befindlichen Lager…

 


Großmeister Breithoff schrak hoch, als er das schrille Klingeln der Alarmglocke und das lauter werdende Geschrei von außerhalb des Zeltes hörte, indem gerade der Kriegsrat tagte. Eine Wache betrat mit besorgtem Blick das Zelt und berichtete von unbekannten Angreifern inmitten des Lagers und von einem Feuer an der Position, an der sich das Zelt des Großmeisters befand. Breithoff ergriff seine Runenklinge und gefolgt von seinen Beratern marschierte er aus dem Zelt. Das Lager war in heller Aufregung. Überall liefen zum Teil halb bekleidete Soldaten auf der Suche nach ihrem direkten Befehlshaber umher, während einige bereits versuchten eine etwas dilettantisch anmutende Feuerkette zu bilden, um das mittlerweile hell lodernde Feuer inmitten des Lagers zu löschen. Als sie den Großmeister mit gezogener Runenklinge durch das Lager rennen sahen, sprangen sie hastig zur Seite und rissen dabei den einen oder anderen Suppentopf und Waffenständer um. An seinem bereits beinahe komplett ausgebrannten Zelt angekommen, blieb Breithoff stehen. „Was für verderbte Magie“, murmelte er mit weit aufgerissenen Augen und drehte sich zu seinen Beratern, die ihm kaum hatten folgen können. „Das war keine Magie“, sprach Meisterzauberer Melistius und hob mit seinem Stab die Kapuze einer am Boden liegenden und dunkel gekleideten Leiche. „Vielmehr rachsüchtige Elfen…“  

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