Die Belagerung der Ork-Festung dauerte nun schon mehr als
eine Woche an. Die kontinuierlichen Ausfälle der vereinzelten Wildschweinreiter
und Streitwägen hatten den Bau von Belagerungsgerät der Oger im Keim erstickt.
Aber Pein Schwackeheter hatte auch ganz andere Pläne, nachdem er im Angesicht
der ständigen Ausfälle eine Rhinox-Karawane aus Schrottschleudern und
Eisenspeiern gen Heimatfront gesandt hatte. Seit Tagen gruben sich bereits
dutzende Gnoblars durch das Erdreich in Richtung Ork-Festung, mit dem Ziel die
eine oder andere Mauer durch eine gezielte Unterminierung einreißen zu können.
Pein und sein von Kometen und Himmelskörpern besessener Fleischergeselle sowie
der hitzköpfige Feuerbauch hatten sich bereits ausgiebig mit den Ork- &
Goblin-Schamanen innerhalb der Burg duelliert. Von einer einsamen bretonischen
Gralskapelle abgesehen, war aufgrund der hervorgerufenen magischen
Zerstörungskraft nunmehr auch die gesamte Landschaft um die Burg herum
verwüstet. Die Fliegende Festung schwebte nach wie vor über die Köpfe der
Kontrahenten und wühlte zudem den Erdboden mit Blitzen magischer Energie auf.
Die Oger hatten vor einigen Tagen erneut, wie schon Gurrut vor wenigen Monaten
in den nahen Bergen, Verstärkung durch den enigmatischen Fimir-Fluchunhold
erhalten. Weiterhin war Pein in der Lage gewesen einen Mantikor unter seine
Kontrolle zu bringen, der zuvor tagelang die Fliegende Festung umkreist hatte.
Die gegnerischen Grünhäute hatten in der Zwischenzeit jedoch auch magische
Unterstützung erhalten. Ein nie zuvor gesehener einäugiger Troll-Schamane
überzog die Landschaft mit für Grünhäute untypischer Magie, während ein
düsterer geflügelter Schatten nebst untersetztem Reiter aus dem Erdreich
hervorgebrochen war und mit maligner Intelligenz und Zauberkraft Tod und
Verderben verbreitete. Mit einem Mal sackte der Boden und mit ihm die komplette
Mauersektion rechts der Torsektion der Burg mittig ab. Die unzähligen Gnoblars
hatten also teilweise Erfolg gehabt und Pein nutze diesen Monet der Konfusion
bei den Grünhäuten und diese Bresche in ihrer Verteidigung, so dass er ohne zu
zögern zum alles entscheidenden Sturmangriff brüllte…
Gahrr XXX sah zu seiner Linken, jenseits des pilzbehangenen
Turmes des irren Ork-Schamanen, wie das Mauerwerk der Festung genau an der Stelle
nachgab und zu Boden sackte, an der er vor einigen Tagen energisch gegen die
Zinnen getreten hatte. Er hatte schon immer einen kräftigen Tritt gehabt,
dachte Gahrr, während er sich mit seinem Spalta am Kopf kratzte und den schwärzlichen
Zementstaub unter seinem Zeh betrachtete, aber derart gewaltige Auswirkungen hatte
er sich eigentlich nicht zugetraut. Als hätten die Oger genau auf diesen Moment
gewartet, walzten sie unisono auf die Festung der Orks zu. „Na endlich“, dachte
Gahrr, „das wurde auch Zeit“. Dem Ork-Waaaghboss war schon langweilig geworden
und ihm waren auch die Wolf- und Wildschweinreiter sowie alle Streitwägen bis
auf seinen eigenen ausgegangen, um die Oger direkt angehen zu können. Mit
lautem Gebrüll befahl er den Goblins an den Kriegsmaschinen das Feuer zu
eröffnen. Genaugenommen waren diese die einzigen Goblins, die in den letzten
Tagen nicht von den hungernden Orks aufgefressen worden waren, denn Gahrr hatte
all jene Orks, die sich der Besatzung der zur Verteidigung wichtigen
Kriegsmaschinen hungrig genähert hatten,
selbst kurzum erschlagen und zum Verzehr freigegeben. Die Kamikazekatapulte und
Goblin-Speerschleudas töteten direkt zwei der sich nähernden Eisenwänste und
auch der Fleischermeister, der die Horde anführte, wurde von einem Speer der Goblin-Speerschleuda,
nebst aufgespießtem Eisenwanst, in den eigenen Wanst gekniffen. Selbst das
Donnerhorn brüllte ungeniert auf, als ihm ein Kamikazegoblin auf den Schwanz
plumpste…
Pein und seine Eisenwänste näherten sich nur bedächtig der Torsektion
der Grünhaut-Festung, während neben ihnen das Donnerhorn langsam vorwärts
stampfte und eine Frostsphäre über die Köpfe der Schwarzorks auf der Mauer schleuderte.
Die vielen dutzend Gnoblars, die rund um die Festung verteilt waren und zum
Teil schlagartig aus Erdlöchern strömten, stürzten auf selbige zu, aber nur ein
Trupp schaffte es schnell genug zur Festung. Sie erklommen über die Seile geworfener
Kletterhaken einen von einer Goblin-Speerschleuda besetzten Turm, während ihnen
Steine, geworfen von der Besatzung, entgegenregneten. Pistolenschüsse knallten
zu Peins rechter Flanke, als die Vielfraße erfolglos ihre Pistolen auf den
Troll-Schamanen auf dem vor ihnen befindlichen arkanen Fokus entluden. Der
Mantikor schoss ebenfalls auf ledrigen Schwingen getragen vorwärts, während ein
einsamer Säbelzahn in Richtung Tor voranpirschte. Ein einzelner degenerierter Verschlinger
tauchte zudem innerhalb der Festung auf und bedrohte den Rücken der Verteidiger
sowie den einsamen Goblin-Schamanen auf seinem arkanen Fokus.
Das Abwehrfeuer der Kriegsmaschinen war gerade verstummt,
als der durchtriebene Gahrr XXX seinen gerissenen Plan umzusetzen bereit war.
Die Oger näherten sich in den Augen des Ork-Waaaghbosses ausgesprochen langsam
der Festung, aber er würde ihnen eine gebührende Begrüßung durch die wild gewordenen
Kettensquigs zuteil werden lassen. Gerade als er seinen Ork-Untertanen
entgegenbrüllte, dass sie das Tor für die besagten Kettensquigs öffnen sollten,
schossen eine Unzahl von Feuerbällen auf die von ihnen besetzte Torsektion zu.
Der halbnackte Oger auf dem nahen Fokus war umgeben von hell lodernden,
orangefarbenen Flammen und wurde getragen von einer tiefroten Flammensäule, die
Funken sprühte, als er mit wirbelnden Handbewegungen glühende Feuerkugel um
glühende Feuerkugel der Festung und seinen Besatzern entgegenschleuderte. Der
Ork-Schamane im nahen Turm kreischte, während er tanzenderweise bemüht war,
eine übergroße grüne Klaue oberhalb der Festung zu manifestieren, die Feuerball
für Feuerball mit den Fingern selbiger davon schnippte. Der brandgefährliche
Oger hielt jedoch nur kurz inne und ließ einen weiteren einzelnen funkensprühenden
Feuerball auf die Torsektion zuschießen, während sich die orkige Klaue bereits auflöste.
Diesmal griff jedoch der kleine Goblin-Schamane lauthals ein und las von einer
verzierten Squighaut vor. Der Feuerball verwandelte sich daraufhin kurz vor dem
eigentlichen Aufprall in einen Pilzregen, der auf die Schwarzorks und Gahrr
niederging, aber bei ihnen nicht mehr als kurze Verwunderung auslöste…
Pein fluchte, als er sah, dass die Versuche des Feuerbauchs
nicht von Erfolg gekrönt waren. Der Fleischermeister griff nach dem Trollgedärm
aus seinem Beutel und schlang einen kräftigen Bissen hinunter, während er mit
Kaugeräuschen untermalte Gebete an den Schlund murmelte. Seine eigene durch die
Goblin-Speerscheluda verursachte Verletzung heilte sofort und auch die
Eisenwänste um ihn und das nahe Donnerhorn schienen spontan regenerative Kräfte
zu entwickeln. Der Fimir-Fluchunhold auf dem arkanen Fokus zur Rechten wiederum
saugte die Winde der Magie in sein überdimensioniertes, gelblich leuchtendes
Auge und übergoss die Goblin-Speerschleuda auf dem höchsten Punkt der
Torsektion mit einem mystischen Miasma. Der Fleischergeselle auf dem weiter
entfernten Fokus zur Rechten kontemplierte währenddessen gedankenversunken und
mit starrem Blick gen Himmel gerichtet und ließ schließlich einen wirbelnden
Schneesturm über dem Turm mit den Ork-Bogenschützen entstehen. Die Gnoblars zur
Linken waren von weitaus mehr Aktionismus getrieben. Flink wie kleine Wiesel
kletterten sie den maroden Turm hinauf und nur einer der ihren flog wieder
hinab, als er von einem geworfenen Stein der Besatzung der Goblin-Speerschleuda
getroffen wurde. Die restlichen Gnoblars erreichten die Zinnen und versuchten
die dort befindliche Geschützmannschaft zu erledigen, wurden jedoch
zurückgetrieben, nachdem ein Gnoblar und ein Goblin in inniger Umarmung und mit
dem Gekreische ähnlich eines Kamikazegoblins vom Turm purzelten…
Die Kettensquigs stürzten wie von Sinnen aus dem Tor auf die
sich nähernde Ogerhorde zu, während Gahrr entschied, den Turm, der gerade von
den lästigen Gnoblars bestürmt worden war, mit seiner Präsenz gegen jeden
weiteren Ansturm zu schützen und die kreischende Goblin-Besatzung aus nächster
Nähe mit harter Hand anzuweisen. Das Kreischen des Schamanen in seinem Rücken
war jedoch noch fulminanter, als dieser versuchte den monströsen und auf ihn
zusteuernden Verschlinger mit Hilfe seiner Waaagh-Magie und der Hand von Mork
selbst im Kreis zu drehen. Der Ork-Schamane in seinem Turm nahm hingegen Gorks
Hand zu Hilfe und gab den Kettensquigs einen kräftigen Schubs nach vorne, so
dass diese beinahe schon in die etwas überrascht dreinblickenden Eisenwänste
gekracht wären. Der Troll-Schamane wiederum benutzte seine Schattenmagie, um
die bullig anmutenden Vielfraße, die vor ihm auf ihn zu steuerten, zu entkräften.
Die Todesmagie des schattenhaften Lammasu aus der Tiefe wurde ebenfalls
gewirkt, jedoch konnte der Mantikor diesen mentalen Angriff unbeschadet
überstehen und im nahen Fluss landen. Gahrrs Brüllen übertönte noch das
Kreischen des Goblin-Schamanen und die Besatzungen der Kriegsmaschinen nahmen
diesen augenscheinlichen Befehl und das Fuchteln des Ork-Waaaghbosses mit
seinem Spalta als Befehl wahr, das Feuer auf den nahen flammenschlagenden Oger
zu konzentrieren. Aufgrund des Miasmas fiel dies der einen Goblin-Speerschleuda
schwer, aber nach dem Beschuss des Kamikazekatapults und der abgefeuerten
Speere, hielt sich der Feuerbauch nur noch gerade so eben und schwer verwundet
auf seinem brennenden Fokus…
Fleischermeister Pein verlies die Einheit Eisenwänste im
Angesicht der auf sie zusteuernden Kettensquigs, marschierte auf die Deckung
der einsamen Gralskappelle zu und wies den dortigen einsamen Säbelzahn mit
einem einfachen „Fass!“ an, die Kettensquigs aufzuhalten. Ein beherzter Sprung
von selbigem an die Kette zwischen den unter Drogen gesetzten Squigs führte zu
einem Massaker, bei dem selbst der hartgesottene Pein eine speckige Augenbraue
hob. Das Donnerhorn nutzte die freie Bahn und trampelte auf die von den
Schwarzorks gehaltene Torsektion zu, verhedderte sich jedoch in den
herumfliegenden und herumliegenden Kettenelementen der Überreste der
Kettensquigs und kam zum stehen, ohne das eigentliche Ziel zu erreichen. Der
verletzte Feuerbauch versuchte erneut seine Feuermagie zu wirken, war aber derart
geschwächt nicht in der Lage irgendwelchen Schaden zu verursachen. Der
Fimir-Fluchunhold wirkte weiter seine Fluchzauber und der Fleischergeselle auf
dem weiter entfernten Fokus studierte nach wie vor die Konstellation der
Himmelskörper und sorgte somit als eine Art Medium für einen günstigen Verlauf
der Winde der Magie für die Magiewirker der Oger-Horde. Die entkräfteten
Vielfraße stürzten auf den Trollschamanen zu, so dass ihr Hauptmann dort
angekommen seinen Anker als Kletterhaken erstaunlich treffsicher auf die Spitze
des arkanen Fokus schwingen und verankern konnte und diesen trotz Entkräftung
geschwind erklimmen konnte. Bevor der Troll-Schamane auch nur reagieren konnte,
entlud der Vielfraß-Hauptmann seine beiden immensen Pistolen in die Augenhöhle
des Trolls, so dass dieser tödlich getroffen vom Fokus stürzte. Der Mantikor
wiederum schoss zielstrebig auf den Lammasu zu, konnte diesen jedoch im Schutze
des arkanen Fokus nicht verwunden und auch selbst nicht verwundet werden. Die
vielen Gnoblars versuchten erneut ihr Glück die Festung durch schiere Masse
einzunehmen. An der linken Flanke erklommen sie auf gleichem Wege erneut den
Turm, wurden jedoch diesmal vom Waaghboss persönlich empfangen und in größerer
Zahl von den Zinnen gefegt. Einige krabbelten dennoch unbeirrt durch seine
Beine und an ihm vorbei, um die verbliebenen Goblins der Goblin-Speerschleuda
zu massakrieren und im Anschluss wieder in Furcht vor dem brüllenden
Ork-Waaghaboss den Turm hinabzuklettern. Am Turm des Schamanen gegenüber
versuchten die Gnoblars ebenfalls emporzuklimmen, wurden dabei jedoch
reihenweise und vollumfänglich von den dort befindlichen Ork-Moschaz zerhackt und/oder
in den Tod gestürzt…
Die Mittagssonne brannte bereits hell über dem Schlachtfeld,
als das entfernte Geheul von Wölfen zu vernehmen war. Mit langen Sätzen
näherten sich zum Entsatz angerückte Goblin-Wolfsreiter dem Schlachtfeld.
Dieser Umstand zauberte Gahrr XXX ein voll mit Fangzähnen besetztes Lächeln ins
Gesicht. Dieses Verschwand jedoch schlagartig, als der irre Goblin-Schamane in
seinem Rücken aufgrund einer akuten Pilzvergiftung schwallartig erbrach und tot
von seinem Fokus stürzte. Am anderen Ende des Schlachtfeldes außerhalb der
Festung versuchte das Lammasu erneut seine tödliche Magie gegen den ihn
umkreisenden und an Wildheit überlegenen Mantikor zu wirken. Der Mantikor
erwies sich jedoch als unerwartet resistent gegen die mentalen Angriffe des
Lammasu und auch als es versuchte den Mantikor mit einer totalen Energieflut zu
vernichten, richtete sich diese tödliche Magie gegen den Lammasu selbst und es
verschwand im Rahmen einer Dimensionskaskade zurück im Erdboden aus dem es
hervorgebrochen war. Der markerschütternde Knall, den dieser Umstand mit sich
brachte, war gerade abgeklungen, als die Kriegsmaschinen der Grünhäute erneut
das Feuer eröffneten. Es war schließlich ein trudelnder Kamikazegoblin, der
gerade so eben auf dem arkanen Fokus des Feuerbauchs aufschlagen konnte und
selbigen tödlich verwundet von eben diesem Fokus fegte. Die Bogenschützen der
Orks konnten die Vielfraße hinter dem vormals vom Troll-Schamanen besetzten
Fokus nur schwer ausmachen, so dass sie schließlich ihren Pfeilhagel auf
Fleischermeister Pein hinter der Gralskapelle abfeuerten. Die meisten
Pfeilspitzen konnten nicht durch Peins dicke Fettschicht dringen, doch ein
einzelner schwarz gefiederter Pfeil traf ihn direkt im Bauchnabel, der bei
einem Fleischer bekanntlich nicht durch eine Wanstplatte geschützt war…
Pein gab seinem verträumten Fleischergesellen ein
eindeutiges Handzeichen, bevor er durch den schmalen Eingang die baufällige
Gralskapelle betrat. Das bunte Fensterglas der Kapelle war überall zerschlagen
und die kruden Graffitis der Grünhäute prangten an den Wänden. Dem Geruch zu
urteilen, hatten die Grünhäute die Kapelle zudem als Latrine genutzt.
Möglicherweise war dies auch der einzige Grund weshalb die Kapelle noch stand.
Pein wusste, dass er nicht mehr viel Zeit hatte. Die Fliegende Speisekammer
entfernte sich immer mehr und die Grünhäute hielten noch immer alle Bereiche
der Burg. Die Erde begann leicht zu beben und vereinzelte Glassplitter tanzten
auf dem Boden oder fielen aus den noch vorhandenen Fensterrahmen, als das
Donnerhorn einen wilden Sturmangriff auf den Turm führte, der alleinig von dem
Kriegsherren der Orks gehalten wurde. Todesmutig stand dieser auf den Zinnen
und winkte die gewaltige Bestie noch auf sich zu. Die Eisenwänste näherten sich
weiter dem Tor und die Vielfraße begaben sich im Gänsemarsch auf den Turm des
Ork-Schamanen und letzten Zauberwirkers der Grünhäute zu. Auch der Mantikor
flog mit seinen gewaltigen Flügeln schlagend in die Höhe und landete nur knapp
hinter den Vielfraßen, um sich ein neues Ziel und Opfer zu suchen. Der
Verschlinger jenseits der Mauern hingegen suchte nach dem plötzlichen Ableben
des Goblin-Schamanen innerhalb der Festung ein neues Ziel. Der sterneguckende
Fleischergeselle hatte das energische Handzeichen seines Meisters erkannt und
begann mit fluiden Handbewegungen einen Himmelskörper aus seiner Bahn in
Richtung Festung zu lenken. Der Fimir-Fluchunhold wiederum versuchte sich daran
die Erde selbst unter der Torsektion aufzureißen, riss aber lediglich seinen
Fokus wie von Geisterhand bewegt mehrere Dutzend Meter vorwärts bis an die
Festungsmauer der Grünhäute heran. Dann prallten zwanzig Tonnen rohe Gewalt in
Form des Donnerhorns mit voller Wucht gegen den baufällig anmutenden Turm der
Grünhaut-Festung, so dass mehrere schwere, lose Ziegel zu Boden krachten. Mit
seinen immensen, metallbeschlagenen Stoßzähnen fegte es die gnoblargroßen Zinnen
vom Turm, als würde es sich bei ihnen um welkes Laub handeln. Ork-Waaaghboss Gahrr
XXX sprang überaus agil über die unter ihm entlang schwingenden Stoßzähne
hinweg und schlug mit seinem verzauberten Spalta, den er spontan Ogertod
genannt hatte, auf die exponierte Stirn des Donnerhorns. Seine kräftigen
Schläge drangen durch das zottelige Fell und die zähe Haut und ließen die
Kreatur vor Wut und Schmerz herumfahren. Diesmal war Gahrr nicht schnell genug
und wurde von seinen schwieligen Füßen
gefegt, während die Ogerreiter auf dem Rücken der Bestie versuchten ihn mit Harpune
und Fangeisen zu erwischen. Der Ork-Waaghboss hatte sich gerade wieder
aufgerappelt, als das Donnerhorn blindwütig mit seiner ganzen Masse gegen den
Turm selbst schlug. Der Turm bebte unter diesem Ansturm und Gahrr wurde erneut
von den Beinen geholt, während sich zentnerschwere Steine aus dem Fundament
lösten und einer dieser umherfliegenden Brocken Gahhr unsanft einige Zähne aus
dem Kiefer schlug. Der Schutz seiner verzauberten Rüstung kam ihm hierbei jedoch
mehr als einmal zugute, als kapitale Gesteinsbrocken lediglich an ihr
abprallten. Schließlich ließ das Donnerhorn aufgrund der verzweifelten
Kommandos seiner Reiter vom Turm ab und bewegte sich wild schnaubend einige
Meter rückwärts, währenddessen der Ork-Waaghboss ihr enttäuscht hinterher
brüllte…
Ork-Waaaghboss Gahrr XXX wischte sich den Zementstaub von
den Schultern, während er blinzelnd den Himmel musterte. Es schien, als wäre
eine zweite Sonne aufgetaucht und diese schien zu allem Überfluss auch noch
näher zu kommen. Zumindest kamen auch die Goblin-Wolfsreiter näher, dachte Gahrr
und beobachtete, wie diese versuchten in langer Reihe hinter den Gnoblars und
dem Donnerhorn entlang zu pirschen. Gahrr XXX begann langsam Geschmack an der
Schlacht zu finden und machte obszöne Gesten in Richtung des wutschnaubenden
Donnerhorns. Die Schwarzorks entlang der Torsektion sowie die Moschaz im Turm
dahinter konnten es gar nicht erwarten endlich ihre Spaltaz gegen die
anstürmenden Oger zu schwingen und begannen ebenfalls, die Eisenwänste mit
eindeutigen Handbewegungen zum Sturmangriff zu provozieren. Eine
markerschütternde Detonation ließ plötzlich den von den Moschaz besetzten Turm
des Ork-Schamanen erschüttern und als Gahrr sah, dass mehrere Moschaz mit
geplatzten Köpfen aus dem Turm purzelten, war ihm sofort klar, dass auch der
letzte Schamane seiner Armee gerade in das Große Grün hinüber getreten war. Die
nachfolgende Rauchentwicklung führte dazu, dass sowohl die Goblin-Speerschleudea
als auch das Kamikazekatapult ihre Ziele weit verfehlten…
Das Donnerhorn scharrte einmal kräftig mit der Hufe und
stürmte dann erneut mit gesenktem Kopf auf den Turm und den einzelnen
Ork-Waaghboss zu. Mit den metallbewährten Stoßzähnen voran brach die kolossale
Kreatur in die obere Hälfte des Turmes, so dass die Ziegel nur so umher flogen.
Dennoch war die desolat anmutende Konstruktion der Grünhäute stabiler, als sie
aussah, und Gahrr sprang von den malträtierten Überresten der Zinnen des Turmes
in dem Moment ab, als die Kreatur ihren Bewegungsimpuls gerade verloren hatte
und für einen Moment im zähen Mauerwerk fest hing. Der Ogertod fuhr nieder und
spaltete den vorderen Ogerreiter, noch bevor Gahrr auf dem felligen Haupt des
Donnerhorns gelandet war. Die schwerfällige Kreatur bemerkte von alldem nichts
und fand schließlich ein jähes Ende, als der Ork-Waaghboss den Ogertod bis zum
Heft tief im Nacken unmittelbar hinter den steinharten Schädelplatten
versenkte. Noch bevor das Donnerhorn zusammenbrach und der Körper der Bestie
bemerkte, dass es tot war, schwang sich Gahhr über die noch immer im Mauerwerk
verankerten Stoßzähne zurück in den Turm. Der Ork-Waaghboss erhob sein Spalta
über den Kopf und wollte seinen in der nahen Torsektion befindlichen Schwazorks
gerade ein lautes Waaagh entgegenbrüllen, als die merkwürdige zweite Sonne am
von ihm aus hinteren Ende der Torsektion niederging und sein Brüllen im Keim
ersticken ließ. Im brennenden Inferno des niedergehenden Sterns vergingen
beinahe die gesamten Schwarzorks unmittelbar vor Gahrr ebenso wie die Goblin-Speerschleuda,
das Kamikazekatapult sowie ein Großteil der Moschaz im gegenüberliegenden Turm.
Von den Schwarzorks verblieben lediglich der Armeestandartenträger nebst
angesengtem Banner sowie einige wenige verdatterte Schwarzorks um ihn herum.
Jedoch wurde auch der Fimir-Fluchunhold der Oger auf seinem nahen Fokus von
selbigem gefegt und auch die Eisenwänste fanden ihr jähes Ende vor dem Burgtor.
Ebenfalls Fleichermeister Pein fand in der kleinen Gralskapelle keinen Schutz
gegen die immense Druckwelle und wurde unter einer einstürzenden Mauer
begraben…
Der Fleischergeselle schien nun ganz in seinem Element. Er
war der einzig verbliebene Magiewirker auf einem arkanen Fokus und nach dem
beinahe Komplettzusammensturz der Gralskapelle womöglich auch der letzte
lebende Magieanwender auf dem ganzen Schlachtfeld. Bevor er einen weiteren
Himmelkörper aus seiner Bahn werfen konnte und dabei auf genau die gleich
Stelle projizierte, beschwor er noch mächtige Winde und schleuderte durch sie
die Moschaz aus ihrem Turm vor das Tor und die Ork-Bogenschützen in den
Burghof. Erstere erhoben sich somit etwas verwundert aus dem Staub direkt vor
den als Entsatz angeritten kommenden Goblin-Wolfsreitern. Wutentbrannt aufgrund
dieses Umstandes und immer noch mit knurrenden Mägen stürmten die Moschaz in schlechtgelaunter
und hungriger Absicht direkt auf die Goblin-Wolfsreiter zu, da sie diese in
ihrer Desorientierung für ihre missliche Lage verantwortlich machten. Die
überlebenden Ork-Bogenschützen rappelten sich ebenfalls schnell auf und
sprangen überraschend scharfsinnig auf das nahe Trümmerfeld der unterminierten
Mauersektion, um die nahen Vielfraße unter konzentrierten Beschuss zu nehmen.
Diese – von den gewöhnlichen Ogern als Meal Team 6 bezeichneten Vielfraße –
fackelten nicht lange und nutzten die plötzliche Vakanz des Turmes vor ihnen.
Übergroße Kletterhaken wurden auf den Turm geworfen und mit für Geschöpfe
dieser Größe unerwarteter Geschicklichkeit hangelte sich das Meal Team 6 in
Windeseile die Vertikale empor. Oben angekommen zogen sie kurzerhand ihre
geladenen Ogerpistolen und feuerten den verdutzt dreinschauenden Ork-Waaghboss Gahrr
XXX auf dem gegenüberliegenden Turm schmucklos und mehrfach getroffen von
selbigem. Beinahe im gleichen Moment flog der verbliebene Fleischergeselle auf
einer Windhose von seinem arkanen Fokus auf jenen, der zu Beginn der Schlacht noch
von dem Feuerbauch eingenommen worden war, und konnte beobachten wie der
Ork-Waaaghboss jaulend von den Zinnen des malträtierten Turmes, in dem immer
noch die Leiche des Donnerhorns steckte, fiel und die Moschaz der Orks sich aus
Ermangelung anderer Gegner mit den Goblin-Wolfreitern anlegten. Vereinzelte
Gnoblars versuchten, eiligst das Weite zu suchen und die Sonne, die echte
Sonne, neigte sich dem westlichen Horizont…
Beide Seiten waren stark geschwächt und hatten ihren
jeweiligen General verloren, doch keine Seite konnte sich der anderen Seite als
überlegen erweisen. Die Oger waren bis auf die Vielfraße und trotz ihrer
nunmehr magischen Überlegenheit schlicht nicht in der Lage, Zugang zur von den
Grünhäuten gehaltenen Festung zu erlangen. Die Grünhäute waren wiederum nicht
in der Lage, die Oger zu besiegen und vollumfänglich vom von Magie dominierten Schlachtfeld
zu vertreiben. Letztlich zogen sich die Überreste beider Seiten vom
Schlachtfeld zurück. Die Schwarzorks in erster Linie, da sie von Hunger
gepeinigt noch immer die verdutzten Goblin-Wolfsreiter in die offene Steppe
verfolgten…
Ork-Waaghboss Gahrr XXX befreite sich schließlich aus dem
Geröllhaufen neben dem Turm, von dem er gestürzt war und popelte sich ein kapitales
Projektil aus seiner schmerzenden Schulter. In unmittelbarer Nähe zu dem
Geröllhaufen stand, ohne einen Kratzer davongetragen zu haben, Gahrrs
tiefergelegter Streitwagen nebst einem Paar daran festgemachte und gerade unsanft aus einem Nickerchen erwachte Wildschweine. Gahrr
zuckte etwas überrascht mit den schmerzenden Schultern, bestieg seinen durablen
Streitwagen und blickte zurück auf den Kadaver des Donnerhorns. Es war zwar kein
Oger, dachte der Ork-Waaghboss, aber sicher das Größte, dass in den Boden
gerammt werden konnte, und somit verließ er zufrieden und hämisch grinsend das
Schlachtfeld auf seinem Wildschwein-Streitwagen gen Sonnenuntergang sowie wissend, dass er seinen Namen behalten würde…
Der loyale Nasen-Gnoblar Popel hatte den Zusammensturz der
Kapelle schadlos im Riechkolben seines Meisters überstanden und versuchte nun
seinen fleischigen Leib unter den Trümmern von selbiger zu befreien. Der
Fleischermeister wog zwar etwa das Fünfzigfache des quirligen Nasen-Gnoblars,
aber Popel war verzweifelt und hatte einen kräftigen Bissen aus dem Bullenherz
eines Rhinox, welches er in der Tasche seines Meisters gefunden hatte,
genommen. Nachdem er ihn unter größten Kraftanstrengungen einige Meter gezogen
hatte und ihm beinahe den kompletten fleischigen Inhalt von Peins Tasche in das
Maul gestopft hatte, tauchten plötzlich große Schatten über ihm auf. Zwei Vielfraße
aus Meal Team 6 griffen dem erwachenden Fleischermeister unter die Arme und so
humpelte er von ihnen gestützt und mit blutigen Knien vom Schlachtfeld, während er seinem
Fleischergesellen düstere Blicke zuwarf…